“Gezeichnet, aber nicht gebrochen”

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Sankt-Adelheid-Gymnasium-Bonn

Die Gelegenheit, mit ehemaligen KZ-Häftlingen zu sprechen, wird immer seltener. Um so aufregender war der Freitagnachmittag für die Oberstufe und einige Lehrer des Sankt-Adelheid-Gymnasiums, als Janusz Mlynarski anreiste, um seine Geschichte zu erzählen. Er überlebte fünf Jahre als Häftling im Konzentrationslager Auschwitz, “gezeichnet, aber nicht gebrochen”.

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Vortrag in der Aula: Moderator Martin Krieger und Zeitzeuge Janusz Mlynarski. Foto: Max Malsch

 

Mitgebracht hatte der mittlerweile 90-Jährige unter anderem Janusz Marszalek, der von 2002 bis 2011 Stadtpräsident von Oswiecim (Auschwitz) war. Moderiert wurde die Veranstaltung von Martin Krieger, der Geschichtslehrer an der Schule ist und eine Schülergruppe Anfang Oktober nach Polen begleitet hat.

Dort haben die Schüler 500 Euro für das in Oswiecim geplante Friedenszentrum, das von Mlynarski gefördert wird, gespendet und mit dem ehemaligen KZ-Häftling gesprochen. Nun kam er nach Bonn, um einem größeren Publikum von seinen Erlebnissen zu erzählen.

Zum Auftakt der Veranstaltung zeigte Krieger eine Präsentation, die die Schüler auf das, was darauf folgte, vorbereiten sollte. Bilder von Krakau, wo Mlynarski verhaftet worden war, vom Lagertor und den Baracken in Auschwitz. Mit den Bildern wollte er die Grausamkeit und das Ausmaß der Nazi-Herrschaft deutlich machen.

In knapp anderthalb Stunden versuchte Mlynarski zusammenzufassen, was er seit seiner Verhaftung am 9. Mai 1940 und seiner Befreiung aus Auschwitz am 6. Mai 1945 erlebt hat. Er kam nicht aufgrund seiner Herkunft ins Konzentrationslager, sondern wegen seines Engagements in der katholischen Kirche.

Als Sohn einer deutschstämmigen Familie legte er sich den Namen Janusz Mlynarski und polnische Ausweispapiere zu. Als Pole galt er als Feind des Dritten Reiches und wurde inhaftiert. Auf rührende Weise erzählte er von Hunger, Gewalt und Leid. Letzten Endes besonders von der Todesangst, die allgegenwärtig war.

Den angereisten Häftlingen zeigte man den Schornstein des Krematoriums und sagte: “Das ist der einzige Weg, hier rauszukommen.” Sein Überleben hat er seinem gesunden Körper, der ihn Typhus und Fleckfieber überstehen ließ, seinem Überlebenswillen und viel Glück zu verdanken.

“Damit die jungen Leute so was Schlimmes nie wieder erleben müssen”, so Marszalek, wurde ein Friedenszentrum in Oswiecim errichtet. Mlynarski und Marszalek setzen sich auch heute in Form des Friedenszentrums für Frieden und Versöhnung ein.

Zur Person

Janusz Mlynarski wurde am 21. Mai 1922 als Johann Müller im polnischen Posen geboren. Nach seinem Inhaftierung in Auschwitz und seiner Befreiung im Jahre 1945 studierte er Medizin. Zunächst praktizierte er als Oberarzt in Polen, später im österreichischen Salzkammergut. 1974 kam er als Spätaussiedler nach Deutschland. /Seine Aussage/.

Von Edda Görnert – PÜTZCHEN / Artikel vom 27.10.2012

Author: Peace Mound Center